VerTindern wir unsere Chance auf die echte Liebe?

Früher erkannte man Singles in einer Bar an ihrem suchenden Blick, an einladenden Gesten, deren Dokumentation Körpersprachen-Experten ganze Flirt-Ratgeber widmeten, und daran, dass sie auch nach Schankschluss noch bereit waren, weiter zu ziehen in die nächste Bar, in der Hoffnung auf mögliche Eroberungen. Heute taugen die Körpersprachen-Lexika nur noch zum Altpapier, denn Singles erkennt man daran, dass sie bei jeder Gelegenheit auf ihr Smartphone starren und mit dem Finger rhythmisch hin- und her-wischen; ganz oft nach Links, ab und zu nach Rechts. Wenn auf den Rechtswisch ein verschmitztes Lächeln übers Gesicht huscht, dann hat diese/r Single gerade erfolgreich geflirtet – und zwar ganz ohne suchende Blicke, Flirt-Gesten und potenziell peinliche Anmach-Sprüche.

Wie das? Dank Tinder, der Flirt-App, die inzwischen zur Grundausstattung paarungswilliger Digital Natives gehört. Immer mehr Singles in Österreich nutzen Tinder – Tendenz rasant steigend. Spätestens seit Promis wie Katy Perry und Lily Allen, sowie scharenweise Winter-Olympioniken in Sochi, sich als Tinder-User geoutet haben, ist die App in aller Munde. Wenn Du noch nicht von Tinder gehört hast, dann bist Du wahrscheinlich nicht single, hast keine alleinstehenden Freunde oder Kollegen, sprich; Du bist raus aus dem Dating-Spiel. Denn genau das ist die Partnersuche, zumindest in der Version, die uns Tinder äußerst erfolgreich schmackhaft macht.

Die Dating-App ist zuerst ein lustiger Zeitvertreib, Beschäftigungstherapie für langweilige Busfahrten, endlose Meetings, Wartezeiten in der Kloschlange. Sogar auf dem Klo kann man locker fünf bis zehn Profile begutachten und wegwischen, dauert ja nur ein Paar Sekunden. Hinzu kommt der Suchtfaktor, der einen dazu verleitet, auch während der Arbeit heimlich zu Tindern, beim Dinner mit Freunden und Nachts vor dem Schlafengehen. Nur noch einmal Wischen...

Das wirkliche Erfolgsgeheimnis von Tinder ist aber das Gefühl, das einem die App gibt. Das Wisch- und Weg-Prinzip digitalisiert die schönsten Aspekte des Flirtens: Das Suchen nach anderen Singles, das Begutachten der Optionen, der erste Blickkontakt mit einem attraktiven Menschen... und dann das Kribbeln im Bauch, wenn man erfährt, dass er/sie auch Interesse zeigt. Das virtuelle Flirten ist genauso gut fürs Ego wie die nicht-virtuelle Variante, und das ohne die vielen nervigen Aspekte einer Flirt-Expedition im Großstadtdschungel. Genau darin liegt aber auch die Gefahr, denn solange wir uns hinter unseren Smartphones verschanzen, schützen wir uns nicht nur vor Verletzung, wir blockieren auch andere Gefühle. Bei Tinder wird zwar geflirtet, was das Zeug hält, aber die Liebe bleibt außen vor.

Natürlich lernen wir nette Singles kennen, können chatten und uns sogar verabreden. Ab und zu ist sogar ein Date dabei, das nicht nur auf einen One Night Stand hinausläuft. Doch  im Hinterkopf nagt die Sorge, dass das Spiel während dessen ohne uns weiter geht. Vielleicht gibt es doch noch ein besseres Profil, vielleicht versteckt sich hinter dem nächsten Foto der Traummann oder die Traumfrau? Nur noch einmal Wischen...

Weitere Hintergrundartikel zu diesem Thema: Das perfekte (Tinder) Profilbild erstellen und Sex Dating mit dem Smartphone
Nicht alles gefunden, was Sie suchen? Werfen Sie einen Blick auf unsere Bereichsseite: Flirt Apps - Die besten Dating Apps in Österreich. Evtl. finden Sie hier noch weitere Informationen, die Ihnen zu diesem Thema weiterhelfen.